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Cannabis-Talk



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Münster (24.06.2009)

Bei der Auftaktveranstaltung in Münster wurden den anwesenden Fachkräften aus dem Großraum Nordrhein-Westfalens neben dem Projekt AVerCa vier Beratungs- und Behandlungskonzepte für junge Cannabiskonsumenten/-innen vorgestellt.

Wolfgang Rometsch übernahm die Moderation, Ziele und Inhalte des Projektes stellte Christina Rummel von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) vor. Aufbau und Methodik der Toolbox www.averca.de erläuterte Tom Wünsche von der Gesellschaft für Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich (FOGS, Köln).

Praxisnah erläuterte Dr. Claudia Schüngel, wie das Projekt CANDIS in der LWL-Klinik in Münster durchgeführt wird. Vor allem die Akzeptanz der Klienten/-innen und die Durchführbarkeit werden als positiv bewertet. Prof. Dr. med. Udo Bonnet (Rheinische Kliniken Essen, Universität Duisburg-Essen) erörterte die Arbeitsweise und Behandlung in der seit acht Jahren erfolgreich betriebenen Cannabis-Ambulanz in Essen. In Essen kooperiert die Ambulanz mit der Einrichtung "Die Fähre" sowie weiteren Entwöhnungseinrichtungen, Hausärzten und niedergelassenen Ärzten, Selbsthilfegruppen und den Abteilungen der eigenen Klinik.

Frank Meyer von der Jugendhilfe des Diakonischen Werkes Osterholz-Scharmbeck und Gunter Lösel von der dortigen Fachstelle Sucht berichteten von gelungenen Kooperationen zwischen der Jugend- und Suchthilfe. Jugendliche finden bei der Kifferberatung auf freiwilliger Basis Unterstützung und Hilfe. Den Zugang zur Beratung finden sie über Infokarten, die Internetseite und Plakate. Ihre Erfahrungen mit der Cannabisberatung der Stadtmission Kiel fasste Kathrin Lammers zusammen. Eingerichtet wurde sie für junge SGB-II-Empfänger und arbeitet mit dem Jobcenter für Jugendliche zusammen. Besonders richtet sich die Beratung an junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, die problematisch Cannabis konsumieren. Im direkten Vergleich zwischen der Kifferberatung in Osterholz-Scharmbeck und der Stadtmission Kiel wurden die Unterschiede der Beratung in ländlichen Regionen und großstädtischen Gebieten deutlich.


Dresden (26.08.2009)

Nach der Vorstellung des Fachkräfteportals www.averca.de erwartete die Teilnehmer in Dresden zwei externe Vorträge. Die Vorträge standen im Mittelpunkt der Diskussion und wurden zum Anlass genommen, sich über Beratungs- und Behandlungsmethoden für jugendliche Cannabiskonsumierende und Praxiserkenntnisse auszutauschen.

Vivien Götzke-Tonn und Sven Lindner (Jugend und Drogenberatung, Gesundheitsamt Dresden) berichteten von ihren Erfahrungen in der Beratung junger Cannabiskonsumenten/-innen und schilderten die erfolgreiche Durchführung des CANDIS-Programms in ihrer Einrichtung. Die anfänglich skeptische Haltung gegenüber dem Programm wich aufgrund der hohen Erfolgs- und Haltequote sowie der Akzeptanz unter den Beteiligten relativ schnell. Das Angebot der Jugend- und Drogenberatung Dresden richtet sich an alle, die sich mit ihrer Abhängigkeitserkrankung bzw. mit ihrem riskanten oder schädlichen Drogengebrauch intensiv auseinandersetzen wollen und eine Veränderung anstreben. Dabei wird der Schwerpunkt vornehmlich auf die Begleitung der Konsumierenden gelegt.

Andrea Hildebrand stellte die Arbeitsweise der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle Känguruh St. Georg in Leipzig vor. Zielgruppe der Einrichtung sind Menschen, die Probleme haben mit Alkohol, Medikamenten oder illegalen Drogen. Regional wird ein spezielles Angebot für Cannabiskonsumenten/innen vorgehalten, wie z.B. eine Cannabissprechstunde, Einzelberatung, Gruppenberatung, ambulante Rehabilitation und Vermittlung. Dabei wird eng zwischen Beratungsstelle und Psychiatrie kooperiert. Eine akzeptierende Haltung sowie die Berücksichtigung jugendspezifischer Entwicklungskonflikte sind Grundpfeiler des Selbstverständnisses der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle.


Hamburg (27.08.2009)

Beim Cannabis-Talk in Hamburg sollten durch vier Kurzvorträge den Teilnehmern/-innen Anstöße zum Dialog gegeben werden.

Andrea Rodiek (Suchtpräventionszentrum Hamburg) erklärte den Anwesenden das Konzept des Präventions- und Frühinterventionsprojekts "Bekifft in der Schule". Damit wird ein Angebot realisiert, das Hilfestellungen anbietet, um Schulen zu befähigen, eine gemeinsame Haltung zum Thema zu entwickeln und dem Cannabiskonsum vorzubeugen. Das Angebot soll zudem um weitere Themenkomplexe, wie z.B. Onlinesucht, ergänzt werden. Ferner bot die Vorführung des Films "Kiffende Kids", herausgegeben vom SPZ, einen weiteren Gesprächsanlass.

Überdies stellten Heiderose Nestle-Röhm (Fachstelle Sucht, Calw) und Michael Bertling (Klinikum Nordschwarzwald) das neu gegründete "Netzwerk Cannabis Nordschwarzwald" vor. Dieses ist ein Zusammenschluss von (bisher) 3 Institutionen (Fachklinik Schielberg, Fachstelle Sucht Calw, Time-Out des Klinikums Nordschwarzwald), die sich mit der Beratung und Behandlung von Menschen befassen, die Probleme mit Cannabis haben. Im Netzwerk Nordschwarzwald wurde die Entzugsabteilung komplett auf Cannabis / Partydrogen umgestellt, Opiatabhängige werden nicht mehr aufgenommen.

Sabine Schultz (Rose 12, Oldenburg) folgte mit ihrem Beitrag zur Methodik und Arbeitsweise der Chill-Out-Gruppe für Cannabiskonsumenten/-innen. Nachdem in der Einrichtung 2003 ein relativ hohes Klientenaufkommen von Cannabiskonsumierenden zu verzeichnen war, wurde die Chill-Out-Gruppe installiert. Die Zielgruppe, 16- bis 21-Jährige Cannabiskonsumenten/-innen, ist sehr heterogen aufgrund der unterschiedlichen Konsummuster und Motive der Teilnehmer/-innen. Sechs je einstündige strukturierte Gruppengespräche, die sich aufeinander beziehen, aber in sich geschlossen sind, bilden das Grundgerüst.

Svenja Richters Vortrag (Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein) komplettierte die Veranstaltung. Sie berichtete über das Projekt "PePe - Cannabisprävention von Schülern für Schüler". Das Projekt richtet sich an Schüler/-innen der achten und neunten Klasse und orientiert sich im Inhalt an den Grundsätzen der Primärprävention. Der Zugang zu den Jugendlichen erfolgt über die Peer-Gruppe und folglich wird die Präventionsveranstaltung von Jugendlichen gestaltet und geleitet. Dazu werden Schüler der 12. Klasse auf Freiwilligenbasis zu Multiplikatoren/-innen an jeweils zwei Schultagen ausgebildet.


Mainz (02.09.2009)

In Mainz erläuterte Ulrich Claussen (TE Auf der Lenzwiese) das Konzept von "StACK - Stationäres Abstinzenztraining für Cannabiskonsumenten". StACk ist das erste hessische Angebot zur stationären Entwöhnung für Cannabiskonsumierende. Implementiert wurde das strukturierte Behandlungsprogramm 2006 und basiert auf den Bausteinen des Patientenseminars Cannabis, der kognitiven Verhaltenstherapie sowie der Motivierenden Gesprächsführung. In der therapeutischen Einrichtung verzeichnet man durch die Einführung des Konzepts einen Behandlungserfolg von 85% (erfolgreich oder verbessert), bei der Kontrollgruppe ergibt sich ein Wert von 55%. Ein unerwartet hoher Anteil von Klienten werden durch gerichtliche Auflagen gemäß § 35 BtMG in die Einrichtung vermittelt.

Ebenso stellten drei Referenten/-innen, Manfred Mathiske, Ralf Dias da Costa und Gabriele Pfeifer, das Netzwerk Cannabis Nordschwarzwald, vor. Durch eine verstärkte Zusammenarbeit und Netzwerkarbeit drei verschiedener Institutionen können Drogenkonsumenten/-innen effektiver versorgt werden.

Im Anschluss daran erläuterte Peter Eichin (Villa Schöpflin gGmbH, Lörrach) Realize it-xtra und die damit verbundenen Vorgehens- und Arbeitsweisen. Das Programm stellt eine Spezifizierung des Realize it-Programms für Jugendliche dar und berücksichtigt jugendspezifische Bedarfs- und Wirksamkeitsfaktoren. Zu den Erfahrungen mit der Durchführung des Realize it-xtra-Projekts gehören, dass Justiz und Eltern zu den wichtigsten Schnittstellen zum Zugang zu jungen Cannabiskonsumenten/-innen zählen. Besonders die Einflussnahme der Eltern auf die Motivation der Jugendlichen spielt eine wichtige Rolle. Als Konsequenz aus dieser Beobachtung werden die Eltern nun verstärkt auf das Angebot angesprochen.

Werner Hübner (Update - Fachstelle für Suchtprävention, Bonn) und Axel Schmidt (LVR Klinik, Bonn) folgten mit ihrer Darstellung zu ihrem Beratungsangebot für cannabiskonsumierende Jugendliche und deren Bezugspersonen.


München (03.09.2009)

An unserem letzten Cannabis-Talk in München nahmen Fachkräfte der Suchthilfe aus ganz Bayern teil. Sven Frisch ging zu Beginn auf die ambulanten Beratungs- und Behandlungsansätze bei Cannabisstörungen in der Fachambulanz für junge Suchtkranke in München ein. Seit 2002 gibt es in der Fachambulanz ein zieloffenes Behandlungsprogramm für jugendliche Cannabiskonsumenten/-innen auf Grundlage der Motivierenden Gesprächsführung, genannt Cariflex. Das Programm ist insbesondere auf KlientInnen mit wenig Veränderungsmotivation sowie Auflagenklientel zugeschnitten. Die Inhalte der Gruppensitzungen werden flexibel gestaltet und sind fortlaufend, ein Einstieg ist somit jederzeit möglich.
Des Weiteren wird in der Fachambulanz das verhaltenstherapeutische Behandlungsprogramm CANDIS sowie CANDIS_G als Gruppenangebot durchgeführt. Ergebnisse zu CANDIS_G liegen noch nicht vor.

Dr. Sabine Reimann (Klinikum Nordschwarzwald) und Heiderose Nestle-Röhm (Fachstelle Sucht, Calw) machten auf ihr Netzwerk Cannabis Nordschwarzwald aufmerksam. Der Internetauftritt www.netzwerk-cannabis.de ist freigeschaltet.

Peter Eichin (Villa Schöpflin gGmbH, Lörrach) berichtete den Anwesenden von seinen Erfahrungen mit jugendlichen Cannabiskonsumierenden und erörterte das Projekt Realize it-xtra. Das ursprüngliche Programm Realize it wurde für Jugendliche spezifiziert, da die in der wissenschaftlichen Begleitforschung dokumentierte Haltequote zeigte, dass es schwieriger sei, jüngere Teilnehmer/-innen zu integrieren. In den Beratungsgesprächen und Gruppensitzungen von Realize it-xtra wird daher stärker und individueller auf die Bedürfnisse Jugendlicher eingegangen.

Zum Schluss gab Sarah Pötter (Mudra, Nürnberg) den Teilnehmern/-innen weitere Anstöße zur Diskussion mit ihrem Beitrag zum Projekt "enterprise TRICK", dem themenzentrierten Risikomanagement für junge Cannabiskonsumenten. Dieses psychoedukative Gruppenprogramm ist neben dem persönlichen Erstgespräch in acht Gruppenmodule unterteilt. Jugendliche Cannabiskonsumenten/-innen können sich hier umfassend zum Thema Cannabis informieren und erhalten die Möglichkeit, sich mit dem eigenen Konsumverhalten auseinander zu setzen.


Unter Materialien finden Sie die PowerPoint-Präsentationen zu den durchgeführten Cannabis-Talks.